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Die Autorin und Regisseurin Freya Klier besuchte die Schüler und Schülerinnen der 10. Klassen am 28. Mai 2009, um am Projekttag zum Thema „DDR“ teilzunehmen, der schon seit 10 Jahren von Herr Müller organisiert wird.. Als erstes wurde der von Freya Klier 2001 gedrehte Dokumentarfilm „Flucht mit dem Moskau-Paris-Express“ gezeigt. Dieser Film zeigte die Fluchtversuche einer Schülergruppe der Max-Planck-Oberschule in Berlin, von denen die meisten geglückt, einige jedoch kläglich gescheitert sind. Schafften es seine Freunde nach und nach im Nebel auf einen fahrenden Zug aufzuspringen, so hatte einer der Schüler nicht dies Glück. Deshalb ist einer der spannendsten Momente diesen Filmes der, in dem er verzweifelt an der Seite des Zuges rennt, von seinem Fluchtpartner gehalten wird, der Zug sein Tempo immer mehr beschleunigt und sich daraufhin die Hände lösen. Aus Angst gefasst zu werden, springt er von der Brücke, auf der sich der Gleis befindet, nur weiß er nicht, wie tief er fallen wird. Er schlägt auf, bricht sich beide Beine, das Handgelenk. In seiner Panik schleppt er sich vier Kilometer nach Hause, was keiner der Schüler so recht glauben will. Was ein Abenteuerfilm zu sein scheint, ist Realität. Im zweiten Teil des Projekttages erzählte Freya Klier von ihrer eigenen Erfahrung mit dem Druck und dem Psychoterror der kommunistischen DDR. Wie eine fremde Welt kommt sie vor, die Welt, in der der sozialistische, der bessere Mensch „aufgebaut“ wird, der keine Identität hat und sich der einheitlichen Meinung der Medien und der Politik anschließt, der auf jeden Fall arbeiten muss und seine Arbeitsstelle zugewiesen bekommt, der auch nicht widersprechen darf, weil er sonst als asozial gilt und 5 Jahre in Haft verbringen kann. Der Mensch, der keinen Jazz hören darf, der sich auf eine bestimmte Art und Weise hinzusetzen hat, sich auf eine bestimmte Art und Weise die Haare zu schneiden hat, der seinen Ranzen kontrollieren lassen muss, der sich nicht mit anderen versammeln darf um „eine zu rauchen und Beatles-Songtexte auszutauschen“, weil er ansonsten inhaftiert, und im brutalen Gefängnis körperlich und geistig zerstört wird. Und der Mensch, dem nur die Flucht in den Westen oder der Selbstmord als Ausweg aus der Misere bleiben. So hat auch Freya Klier als junges Mädchen einen Fluchtversuch unternommen. Bei einem organisierten Treffen mit einer sozialistischen Jugendgruppe aus Schweden bat sie einen der Schweden, ihr bei der Flucht zu helfen. Die Gruppe fuhr zurück, es verging viel Zeit, aber nichts geschah. Einmal fanden die Eltern des Mädchens einen unbeschriebenen Brief im Briefkasten, der einfach eingeworfen wurde, von einer auch heute noch unbekannten Person. Im Umschlag befand sich ein schwedischer Pass für Freya Klier und Anweisungen des einen Schweden aus der Jugendgruppe. Auf ihr Verhalten und ihre Kleidung, die für die DDR so typisch waren, solle sie achten, da sie sie verraten könnten. Nach Rostock solle sie kommen und von da aus mit dem Schiff nach Schweden weiterreisen. Doch als sie schon in ihrer Kajüte saß und der Versuch geglückt schien, kam es doch noch anders. Einige der Matrosen hatten in der Hafenbar geplaudert und so Freya Klier ungewollt an die Stasi verraten. Purem Glück verdankt sie es, dass sie anstelle der vorgeschriebenen 3-4 Jahre nur 11 Monate absitzen musste und ihr Studium danach wieder aufnehmen konnte. Nach dem Tod ihres Bruders 1979 engagierte sie sich in Bürgerrechtsgruppen, leistete der Regierung Widerstand. Als sie 1984 den DDR-Regiepreis bekam, verbot man ihr ihren Beruf auszuüben. Allerdings wurde ihr auch gesagt, sie könne ausreisen, einfach so, ohne einen Antrag zu stellen, weil sie ja schon mal einen Fluchtversuch unternommen hatte. Doch wollte Freya Klier nicht mehr, sie entschied sich zu bleiben um etwas zu verändern. Zusammen mit ihrem Mann Stephan Krawczyk gründete sie eine freie Theatergruppe, sie führten in mutigen Kirchengemeinden selbstverfasste Stücke auf. Weil in den achtziger Jahren die Ökonomie bergab ging, man wurde nicht für Leistung und Kreativität, sondern nur für „Schleimerei und Arschkriecherei“ belohnt, man nach wie vor nur bestimmte Fernsehsender zu gucken und nur bestimmte Musik zu hören hatte, das Regime willkürlich war, man sich also durch kein Gesetz geschützt fühlen und sich auch nicht beschweren konnte, fanden sie viele Zuschauer. Daher wollte man die beiden Bürgerrechtler auch wortwörtlich „aus dem Verkehr ziehen“. Stephan Krawczyk wurde sein Führerschein entzogen, sie wollte man mit einem Nervengift auf dem Lenkrad in den Tod rasen lassen. Heute habe sie schreckliche Platzangst und könne kein Auto fahren, erzählte Freya Klier später. Ständig wurde die Familie überwacht, die Tochter Nadja zum Beispiel wurde auf dem Schulweg von der Stasi begleitet, oder aber, als der Haftbefehl gegen Klier kam, wurde die Bürgerrechtlern sogar auf die Toilette begleitet. Zuvor jedoch wurde ihr Ehemann verhaftet, sogar noch bevor er zu einer geplanten Demonstration aufbrechen konnte. Freya Klier verfasste einen Appell an die Künstler der BRD, sie sollen nicht in der DDR auftreten. Um den drohenden Gefängnisstarfen zu entgehen verließen die beiden Ostdeutschland. Auch hier fällt es schwer zu glauben, dass alles Gehörte wahr, wirklich passiert ist. Und noch viel schwieriger ist die Frage, ob man auch die Kraft gehabt hätte, sich dem System zu widersetzen. Und obwohl der Kommunismus so viele schlechte Seiten hat und einfach nicht funktionieren kann, da eben alle Menschen nicht gleich sein können, so, findet Freya Klier, gibt es auch etwas Gutes: aus dem Widerstand heraus entstand Kunst, Malerei und Theater zum Beispiel, die der Kunst der BRD aus dem selben Zeitraum deutlich überlegen ist. Im dritten und letzten Teil des Projekttages schauten die SchülerInnen den Film „Johanna. Eine Dresdener Ballade“, die Geschichte der ungarischen Jüdin Johanna Krause, die das Nazi-Regime, ebenso die DDR-Diktatur mit sehr viel Glück überlebte. Mehrmals entkam sie dem Tod nur knapp, überlebte eine schwere Typhuserkrankung, war in drei Konzentrationslagern, entkam der Vergasung nur dadurch, dass man sie fälschlicherweise als politische Gefangene und nicht als Jüdin kennzeichnete. Ganz gerührt erzählt Johanna Krause von einer Mutter mit ihren Töchtern, die auf Knien gebettelt hat, man solle ihr Kinder leben lassen, nur sie allein solle man erschießen, und trotzdem wurden sie in einer Reihe aufgestellt und herzlos erschossen. Anschließend hebte Freya Klier noch im Besonderen die Tatsache hervor, dass Max Krause, der Ehemann Johannas, als er in den Krieg einberufen wurde, im Lazarett das Spuckbecken eines TBC-Kranken gelehrt hatte, um seine Frau vor der Deportation zu retten (Wäre er gefallen, hätte man sie deportiert). Ein weiteres unglaubliches Schicksal aus einer Zeit, die heute so fern scheint. Und trotzdem finden sich auch heute noch Spuren der Vergangenheit und der alten Denkweisen in den Köpfen der Menschen. So gibt es in Ostdeutschland fünf Mal mehr neonazistische Verbechen pro Jahr als im Westen. Weil man die Vergangenheit nie aufgearbeitet hat, erklärte Freya Klier, weil Geschichte verfälscht worden ist, haben die Menschen der DDR nie ihre eigenen Fehler gesehen, haben Altes nie geändert. So setzte sich die Stasi aus vielen Beamten der ehemaligen Gestapo zusammen. Auch heute noch ist die kommunistische Idee präsent, in ca. 70 Ländern gibt es auch heute noch Diktaturen, und genauso wie früher, geben Politiker auch heute noch vor, zu sein, was sie nicht sind. Daher wollte Freya Klier das Bewusstsein der Schüler dafür wecken, kleine Zeichen früh zu erkennen, die Zustände zu hinterfragen, und die Anfänge einer Diktatur sofort abzuwehren, solange man sich überhaupt noch wehren kann.
Maryna Sklyarova, 10b
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